06.11.2023

Herzrhythmusstörungen - Heide und Itzehoe vernetzen sich bei der Behandlung von Vorhofflimmern

Erstmalig können Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern jetzt direkt in Heide mit einem speziellen Katheterverfahren behandelt werden. Möglich wird das durch die enge Kooperation zwischen dem Klinikum Itzehoe und den Westküstenkliniken.

Dr. Christian Eickholt schaut konzentriert auf den großen Bildschirm des Herzkatheterlabors der Westküstenkliniken in Heide. Behutsam schiebt der Elektrophysiologe über die Leistenvene einer Patientin einen kleinen Ballon bis zu den Lungenvenen des Herzens vor. Dort angekommen, wird eiskaltes Lachgas in den Ballon geleitet. Mit bis zu 60 Grad unter Null wird das Gewebe der Venen quasi schockgefrostet.

„Auf diese Weise können wir die Weiterleitung von Extraimpulsen aus den Lungenvenen verhindern, die bei der Patientin das Vorhofflimmern auslösen.“, erklärt Dr. Christian Eickholt. „Früher haben wir das hauptsächlich mit hochfrequentem Strom gemacht. Seit einigen Jahren nutzen wir hierzu aber immer häufiger die Ablation mit dem Kälte-Ballon. Diese Methode ermöglicht uns eine besonders schonende und effiziente Behandlung unserer Patienten.“

Dr. Christian Eickholt ist eigentlich Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Itzehoe. Doch im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem Krankenhaus in Steinburg und den Westküstenkliniken wird der Kardiologe ab sofort auch in Heide die so genannten Elektrophysiologischen Ablationen vornehmen.  Die ersten beiden Patienten wurden Ende vergangener Woche in Heide behandelt. Die nächsten beiden Eingriffe sind diese Woche geplant.

Bislang mussten Patienten aus Dithmarschen für diese Behandlung nach Itzehoe oder bis nach Hamburg fahren. Denn so einfach das Verfahren aussieht, so komplex ist es und setzt eine besondere Spezialisierung voraus.

„Herr Dr. Eickholt ist ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet und verfügt über langjährige Erfahrung an renommierten Zentren, wie dem Herzzentrum des UKE und dem AK St. Georg in Hamburg. Wir sind froh, dass wir im Rahmen der guten und engen Zusammenarbeit unserer beiden kardiologischen Fachabteilungen den Menschen in Dithmarschen wohnortnah die Ablation anbieten können“, unterstreicht der Heider Chefarzt Prof. Dr. Patrick Diemert.

Der Bedarf ist da.  Die Anzahl von Patienten mit Vorhofflimmern ist in den letzten Jahren deutlich zunehmend, hierzu trägt unter anderem die immer frühere Erkennung durch Smart-Watches und mobile Apps bei. Dies sei für die Patienten von großer Bedeutung erklärt Prof. Diemert:

„Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Rhythmusstörung des Herzens. Sie beeinträchtigt nicht nur die Leistungsfähigkeit der Betroffenen, sie kann auch gefährlich sein. Durch die gestörte Pumpleistung können sich Gerinnsel im Vorhof des Herzens bilden und von dort ins Gehirn gespült werden und Schlaganfälle auslösen. Daher ist eine Behandlung des Vorhofflimmerns in jedem Fall sinnvoll.“

Die Kooperation zwischen Heide und Itzehoe ist Bestandteil einer weiter angelegten Zusammenarbeit zwischen den Kliniken des 6K Verbundes. Dr. Eickholt nimmt die Ablationen seit zwei Jahren auch schon am Städtischen Krankenhaus in Kiel vor.

„Wir knüpfen ein elekrophysiologisches Netzwerk. Von diesem profitieren die Patientinnen und Patienten wie auch angehende Kardiologen, denn sie können im Rahmen ihrer Facharztausbildung in den beteiligten Kliniken auch die EPU kennen lernen“, unterstreicht Dr. Christian Eickholt. „Gleichzeitig bauen wir den elektrophysiologischen Schwerpunkt im Klinikum Itzehoe weiter aus und haben eine zusätzliche Spezialistin für die Ablationen gewinnen können.“

Dann wird künftig nicht nur Herr Dr. Eickholt in Heide zu Gast sein. 

Freuen sich über die Zusammenarbeit: Die beiden Chefärzte Dr. Christian Eickholt und Prof. Dr. Patrick Diemert.