Heide. Der Kampf gegen multiresistente Erreger (MRE) ist derzeit eine der großen Herausforderungen für die deutschen Krankenhäuser. Neben strenger Hygiene ist vor allem der verantwortungsbewusste Einsatz von Antibiotika wichtig, um die Entstehung von MRE zu verhindern. Am Westküstenklinikum (WKK) wird diese Verantwortung großgeschrieben. Das WKK geht jetzt hinsichtlich des Umgangs mit Antibiotika neue Wege: Ab September 2016 wird am hauseigenen, von der Ärztekammer akkreditieren Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen (BBG), eine sektorenübergreifende Fortbildung mit abschließender Zertifizierung zum „Klinischen Antibiotika-Spezialisten“ angeboten. Dr. Anke Lasserre, Geschäftsführerin des Westküstenklinikums Brunsbüttel und Heide gGmbH, sagt: „Ein derartiges Angebot gibt es bisher nicht, daher haben wir hier die Initiative ergriffen. Wir haben ein qualitativ sehr hochwertiges Fortbildungscurriculum zum Erwerb fundierter Kenntnisse in der hochkomplexen und verantwortungsvollen Antibiotikatherapie geschaffen. Dieses richtet sich überregional an medizinisches Personal von Krankenhäusern und niedergelassene Ärzte.“
Mit Dr. Christiane Sause und Dr. Andrea Hagemann verfügt das WKK bereits an beiden Klinikstandorten über zertifizierte Antibiotic Stewardship (ABS)-Expertinnen. Im Rahmen der ABS-Fortbildung werden Mediziner im verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika geschult. Dieses Wissen werden die beiden Fachärztinnen sowie zahlreiche weitere Expertinnen und Experten im Rahmen der Fortbildung „Klinischer Antibiotika-Spezialist“ weitervermitteln. Dr. Sause erklärt: „Antiinfektiva sind ein kostbares Gut. Wir möchten den gezielten Einsatz fördern, um so die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern und das Wohl der Patienten zu steigern.“ Mit einer patientengerechten Antibiotika-Strategie, die bereits in der Zentralen Notaufnahme des WKK nach Einleitung einer frühzeitigen und gezielten mikrobiologischen Diagnostik im eigenen Labor begonnen wird, mit Antibiotika-Visiten, fachübergreifenden Fallkonferenzen und einer Vielzahl weiterer Maßnahmen geht das WKK bei der Antiinfektiva-Therapie sehr strukturiert und vor. Teil der neuen Fortbildung ist zudem eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fragestellungen aus den Bereichen der Mikrobiologie, Klinischen Pharmazie und Infektiologie. „Patienten mit komplexen und schwerwiegenden infektiologischen Krankheitsbildern werden regelmäßig aus ganz Schleswig-Holstein nach Heide verlegt“, erläutert Dr. Sause, warum sich besonders das WKK dank der überregionalen Kompetenz für diese Fortbildungsmaßnahme anbietet.
Das ABS-Team der WKK arbeitet eng mit dem ABS-Netzwerk Nord, einer Kooperation 18 norddeutscher Kliniken zusammen, u.a. im Rahmen wissenschaftlicher Studien.
Das praxisorientierte Curriculum ist Teil der Initiative „Kompetenz für Patientensicherheit (KomPaSi)“ am WKK. Im Rahmen von KomPaSi werden regelmäßig zusätzliche Fortbildungsmaßnahmen für alle medizinischen Berufsgruppen geschaffen. Neben dem Zertifikat „Klinischer Antibiotika-Spezialist“ beziehungsweise „Klinische Antibiotika-Spezialistin“, zu dem die Bearbeitung von zwei Fallstudien sowie eine abschließende Lernerfolgskontrolle gehören, erhalten die Teilnehmer Fortbildungspunkte im Rahmen der Fortbildungsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein.
31.03.2016
Westküstenklinikum: Neue Fortbildung zum Klinischen Antibiotika-Spezialisten



