Die Geschichte der Westküstenkliniken
Die Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide gGmbH ruhen auf zwei eigenständigen Wurzeln, die erst 2005/2006 zusammengeführt wurden. In Brunsbüttel entstand bereits 1909/1910 ein Lazarett der Kanalverwaltung, das 1919 in städtische Trägerschaft überging. In Heide bestand seit 1883 ein kleines städtisches Krankenhaus; der eigentliche Ursprung des heutigen Westküstenklinikums Heide liegt jedoch im Jahr 1946: Angesichts einer durch Flucht und Vertreibung nahezu verdoppelten Bevölkerung richtete der damalige Kreis Norderdithmarschen ein provisorisches Barackenkrankenhaus auf dem ehemaligen Flak-Übungsplatz Hedwigenkoog ein und beschloss noch im selben Jahr, eine 1914 erbaute, 1945 freigegebene Infanterie-Kaserne an der Esmarchstraße in Heide zu einem modernen Kreiskrankenhaus umzubauen. Im März 1949 zog das Krankenhaus dorthin um; 1950 war der Umbau nach ursprünglichem Plan abgeschlossen. Dieses Jubiläum – 80 Jahre seit der Gründungsentscheidung von 1946 – ist der Anlass der vorliegenden Chronik.
Parallel dazu entwickelte sich das Brunsbütteler Krankenhaus über einen Zweckverband (1949), die alleinige Kreisträgerschaft (1958) und einen durch die Ansiedlung der Großchemie ausgelösten, weit über Plan geratenen Neubau (1970–1978, rund 40 Millionen DM statt geplanter 4 Millionen DM) zu einem Regelversorgungskrankenhaus mit rund 300 Betten. Ein schwerer Dachstuhlbrand kurz vor der Fertigstellung 1977 und ein weiterer Brand im Funktionsgebäude 1996 markieren dramatische Ereignisse seiner Geschichte. Erst die Kreisreform von 1970, die Norder- und Süderdithmarschen zum heutigen Kreis Dithmarschen vereinigte, brachte beide Häuser unter ein gemeinsames kommunales Dach – organisatorisch blieben sie aber noch Jahrzehnte getrennt.
Am 1. Januar 2006 gingen das Westküstenklinikum Heide und die Westküstenklinik Brunsbüttel in der neu gegründeten Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide gGmbH auf (notarielle Gründung 20. Dezember 2005), einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Kreises. Es folgte mit rund 90 Millionen Euro das größte Bauprojekt der Kreisgeschichte am Standort Heide (2004–2010) sowie ab 2016 der bundesweit beachtete Umbau des Standorts Brunsbüttel zu einem „Integrierten Versorgungszentrum“, das ambulante und stationäre Versorgung unter einem Dach vereint.
Im Jubiläumsjahr 2026 sind die Westküstenkliniken mit 811 Planbetten und rund 3.000 Mitarbeitenden das drittgrößte Gesundheitsunternehmen Schleswig-Holsteins und akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg. Zugleich stehen sie – wie die meisten Kliniken in Deutschland – unter erheblichem wirtschaftlichem Druck: Für 2024 und 2025 musste der Kreis Dithmarschen jeweils Defizite in Millionenhöhe übernehmen, ein Sparprogramm läuft und das Gesetz zur kurzfristigen Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge droht die Lage noch zu verschärfen.
Unter diesen Rahmenbedingungen findet zeitgleich die Transformation der Kliniken nach den Vorgaben der bundesweiten Krankenhausreform statt, die eine Konzentration spezialisierter Leistungen an Schwerpunktkrankenhäusern vorsieht. Nach dem Willen der Landesregierung sollen die Westküstenkliniken in Heide dabei eine wichtige Rolle als Anker der Versorgung an der schleswig-holsteinischen Westküste spielen. Das Haus in Brunsbüttel wird ab 2027 mit einer einjährigen Übergangsphase bis 2028 zu einem sektorenübergreifenden Versorgungszentrum (süV) umgewandelt. Damit gewinnen in Brunsbüttel die Innere Medizin und die Geriatrie an Bedeutung. Letztere soll sogar ausgebaut werden. Die stationär-chirurgischen Angebote werden dagegen in Heide konzentriert werden. In Brunsbüttel sollen dann vor allem ambulante Eingriffe stattfinden.
Darüber hinaus investiert das Unternehmen weiter in die Zukunft, etwa mit dem rund 30 Millionen Euro teuren Neubau der Psychiatrie in Heide (Fertigstellung 2027).
Seit 2019 wird das Haus von der Doppelspitze aus dem Medizinischen Geschäftsführer, Dr. Martin Blümke und dem Kaufmännischen Geschäftsführer, Dr. Bernward Schröder, geführt.



