Geburtshilfe

Hygiene

Fragen und Antworten zu den Hygienemaßnahmen auf der Frühgeborenenintensivstation

Seit dem 30. Januar ist unsere Frühgeborenenintensivstation vorübergehend für Neuaufnahmen von kleinen Frühgeborenen geschlossen. Der Grund ist der Nachweis des Serratia-Keims im Rahmen unserer regelmäßigen Hygieneüberwachung. In der vergangenen Woche war dazu die hygienische Sanierung der Station abgeschlossen worden. Derzeit wird die organisatorische und räumliche Trennung der Station vorbereitet, damit ab März wieder kleine Frühgeborene aufgenommen werden können.
Auf dieser Seite wollen wir Ihnen Ihre wichtigsten Fragen zu dem Thema beantworten. Die Liste wird laufend aktualisiert.
Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, so sprechen Sie uns bitte an. Wir informieren Sie gerne.
Stand: 18.2.2020

Im Rahmen unserer regelmäßigen Hygieneüberwachung haben wir bei neun Kindern auf der Station eine Besiedelung mit Serratia marcescens festgestellt. Es handelt sich dabei um einen opportunistischen Magen-Darm-Keim, der auch bei gesunden Menschen vorkommt, ohne diese krankzumachen und nur bei abwehrgeschwächten Personen, zu denen auch Frühgeborene gehören, Infektionen verursachen kann.

Bei einem Frühgeborenen, das bereits in einem schlechten Allgemeinzustand zur Welt gekommen und dreieinhalb Tage nach der Geburt gestorben war, wurde der Keim nach dem Versterben in einer Blutkultur festgestellt. Wir müssen davon ausgehen, dass die Infektion mit dem Keim möglicherweise mit ursächlich für das Versterben des ohnehin schon schwer kranken Kindes war.  

Um eine Übertragung des Keims auf weitere Frühgeborene zu verhindern, haben wir uns daher entschieden, die Station für vorhersehbare Neuaufnahmen vorübergehend zu schließen. Die Zeit soll auch dazu genutzt werden, die Ursache für die Häufung der Keim-Nachweise zu ermitteln und die Station hygienisch zu sanieren. Die entsprechenden Untersuchungen und Desinfektionsmaßnahmen sind bereits weitgehend abgeschlossen. Aktuell wird die räumliche und personelle Trennung der Station vorbereitet, um voraussichtlich ab Anfang März wieder kleine Frühgeborene aufnehmen zu können. Reigfeborene und Kinder ab der 35. Schwangerschaftswoche können wir auch weiterhin versorgen.

Die mit Serratien besiedelten Kinder zeigen keine Anzeichen einer Entzündung.

 

Für das Personal gilt die Pflicht bei der Pflege und Behandlung der Kinder Handschuhe- und Kittel zu tragen. Die Eltern aber dürfen ihren Kindern selbstverständlich ohne Handschuhe und Kittel begegnen und sie anfassen. Das stärkt die Bindung des Kindes zu seinen Eltern und ist wichtig für seine Entwicklung. Aufgrund der besonderen Situation haben wir die Eltern aber noch einmal in Händehygiene geschult. Außerdem muss beim Wechseln von Windeln Handschuhe getragen werden.  

Serratia oder auch Serratien gehören zu der Familie der Darmbakterien. Sie kommen in der Darmflora von Menschen und Tieren vor. Bei etwa 20 Prozent der Menschen gehört der Keim zum natürlichen Mikrobiom. Serratien finden sich zudem in der Umwelt – beispielsweise im Boden, im Wasser oder in Nahrungsmitteln. Es handelt sich um einen so genannten ubiquitären Keim. Die Bakterien sind in der Regel harmlos und für gesunde Menschen ungefährlich. Bei abwehrgeschwächten Menschen können Serratien Wundinfektionen, Harnwegs- oder Atemwegsinfekte oder auch eine Infektion des Blutes (Sepsis) auslösen.

Im Rahmen der Berichterstattung über die Hygienemaßnahmen wurden die Begriffe Besiedelung und Infektion zum Teil synonym genutzt. Das ist nicht richtig. Es macht einen Unterschied, ob ein Mensch von einem Keim nur besiedelt ist oder der Mensch an einer Infektion durch den Keim leidet. Daher wollen wir Ihnen im Folgenden die beiden Begriffen erklären:

Besiedelung

Von einer Besiedelung spricht man, wenn ein Mensch Träger eines Keims ist ohne erkrankt zu sein. Schätzungsweise 20 Prozent aller Menschen sind beispielsweise auf natürliche Weise Träger von Serratien ohne daran zu erkranken.

Infektion

Eine Infektion ist eine durch einen Keim ausgelöste Abwehrreaktions des Immunsystems, die beispielsweise mit Fieber oder anderen Krankheitssymptomen einhergeht. Eine Infektion durch einen Serratia-Keim kann in der Regel mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden.  

 

 

Das wissen wir nicht. Wir haben aber 550 Proben auf der Station genommen und dabei einen positiven Befund in einem Patientenbadezimmer erhalten. Im Abfluss/Syphon eines Waschbeckens in diesem Zimmer wurden Serratien nachgewiesen. Die Serratien können sich bereits in dem Syphon befunden haben oder erst nachträglich - beispielsweise durch Händewaschen - eingetragen worden sein.

Aber grundsätzlich ist ein Krankenhaus und auch eine Frühchenstation kein steriler Ort. Sie sollen es auch nicht sein. Wir wollen, dass Frühgeborene Besuch von ihren Eltern und sogar ihren Geschwistern bekommen. Der Vorteil für die Entwicklung der Kinder durch diese enge Bindung an ihre Familien überwiegt das Risiko einer möglichen Übertragung von Keimen oder gar Infektionen.  

Die Abteilung für Krankenhaushygiene, Infektiologie und Antibiotic Stewardship hat vor Beginn der Desinfektionsmaßnahmen so genannte  Umgebungsuntersuchung durchgeführt. Dazu wurden von Flächen, Geräten aber auch von Pflegemitteln, Flüssigkeiten und Nahrungsmitteln Proben gezogen und zur Untersuchung in ein externes Labor geschickt. 550 Proben wurden genommen. Alle Befunde sind zurück. In einer Wasserprobe aus dem Syphon eines Waschbeckens konnten Serratien nachgewiesen werden. Das Waschbecken befindet sich in einem Patientenbadezimmer, das durch einen Flur von den Patientenzimmern getrennt ist. Eine Genanalyse hat ergeben, dass es sich um denselben Stamm hat, mit dem auch die Kinder besiedelt sind.

Das wissen wir nicht. Die Serratien können sich bereits in dem Syphon befunden haben. Möglich ist aber auch, dass sie erst nachträglich - beispielsweise durch das Händewaschen - eingetragen worden sind.

Auch das wissen wir nicht, weil wir nicht abschließend sagen können, ob die Serratien bereits vor der Besiedelung der Kinder in dem Syphon waren oder erst im Nachhinein eingetragen worden sind.

Wir haben vor Beginn der Desinfektionsmaßnahmen insgesamt 550 Proben auf der Station genommen. Alle Proben waren ohne Befund. Lediglich in dem Syphon eines Waschbeckens in dem Patientenbadezimmer konnten wir Serratien nachweisen. Daher ist es plausibel, dass der Syphon die Quelle für die Ausbreitung ist.

Wir haben alle Syhons beprobt und im Anschluss an die Probenentnahme vorsorglich ausgetauscht. Alle diese Proben waren bislang ohne Befund.

Ja, in den Intensivbereichen finden regelmäßig Kontrollen der Abflüsse statt. Bei diesen Kontrollen wurden bislang keine Serratien nachgewiesen.  

Serratien gehören nicht auf eine Frühgeborenenintensivstation. Deshalb arbeiten wir daran, den Keim wieder von der Station zu entfernen.

Bei der hygienischen Sanierung der Frühgeborenenintensivstation sind wir radikal vorgegangen. Sämtliches Verbrauchsmaterial in dem Bereich landete auf dem Müll, Stethoskope, Maßbänder, Stauschläuche und andere kleine Gerätschaften wurden entsorgt und ersetzt. Auch Medikamente, Babynahrung, Waschlotion wurde weggeworfen und neu beschafft. Die Siphons und Perlatoren von allen Waschbecken und Duschen auf der Station wurden ausgetauscht.

Darüber hinaus wurden die Inkubatoren und Geräte aufbereitet sowie alle Räume einer zweimaligen so genannten Schlussdesinfektion unterzogen. Dabei werden die Oberflächen inklusive der Wände in den Räumen sowie das darin verbliebene Inventar mit einem scharfen Desinfektionsmittel zweimal mit einem Tag Abstand scheuer-wischdesinfiziert. Vorhänge und Fenster wurden ebenso gereinigt wie die Flure.

Die zweimalige Schlussdesinfektion entspricht den gängigen Standards und ist laut den Empfehlungen von Experten ausreichend für eine hygienische Sanierung. Zusätzlich dazu haben wir uns aber entschieden, die Zimmer auch durch eine Vernebelung mit Wasserstoffperoxid zu desinfizieren und dadurch zusätzliche Sicherheit zu schaffen.  

Neben den Räumen auf der Kinderintensivstation wurden auch alle Bereiche der Schlussdesinfektion und der Vernebelung unterzogen, in denen sich Kinder vor einer möglichen Aufnahme auf der Kinderintensivstation aufhalten, wie die Kreißsäle und der Sectio-OP für Notkaiserschnitte.

Die Maßnahmen sind am Mittwoch, 12.2.2020, mit der Desinfektion von zwei verbliebenen Kreißsälen und einem Patientenzimmer vorerst abgeschlossen worden. Die Zimmer, in denen noch kleine Patienten behandelt werden, werden nach deren Entlassung desinfiziert.

Das Verfahren mit der Vernebelung durch Wasserstoffperoxid  ist effektiv und besonders umweltverträglich. Nach der Desinfektion werden erneut Umgebungsuntersuchungen durchgeführt. Sollten diese keine weiteren Befunde ergeben, können die Räume wieder für die medizinische Versorgung genutzt werden.

Wasserstoffperoxid ist eine flüssige Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff, die eine hohe antibakterielle Wirkung hat. Durch das Zerstäuben des Mittels mithilfe einer Aerosolmaschine dringt das Wasserstoffperoxid in einem Raum auch in kleinste Fugen ein und sorgt für eine effektive Beseitigung von Bakterien. Wasserstoffperoxid wird auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt.

Nein! Wasserstoffperoxid zerfällt bei der Desinfektion ohne giftige Rückstände in Wasser und Sauerstoff.

Wasserstoffperoxid ist geruchslos. Nach der Behandlung eines Raumes durch Wasserstoffperoxid verbleiben keine Gerüche.

Zusätzlich zu den Räumen auf der Frühgeborenenintensivstation werden rein vorsorglich auch alle Bereiche mit dem Wasserstoffperoxid behandelt, in denen sich Kinder, die später auf die Station kommen könnten, bei ihrer Geburt aufhalten. Dazu zählen neben dem Operationssaal für Kaiserschnitte auch die Kreißsäle.

Nein! Wir haben auch in den Kreißsälen Proben entnommen und keine positiven Serratien-Befunde.

Für uns steht die Sicherheit an erster Stelle. Daher desinfizieren wir vorsorglich alle Räume, in denen sich Kinder, die auf unsere Frühgeborenenstation kommen könnten, unmittelbar nach ihrer Geburt aufhalten. Dazu zählt neben den Kreißsälen auch der Sectio-OP für Kaiserschnitte.

Die Desinfektion eines Raumes dauert etwa drei Stunden. Danach kann der Raum wieder genutzt werden. Die Desinfektion wird zudem abschnittsweise durchgeführt, so dass jederzeit Entbindungen in einem der anderen beiden Kreißsäle stattfinden können.

Die Maßnahme ist am 12.2. abgeschlossen worden. Die Desinfektion der Zimmer, in denen noch Kinder untergebracht sind, findet nach deren Entlassung statt.

 

Das ist nicht notwendig. Denn selbst wenn es Serratien auf der Station geben würde, wofür wir keinen Hinweis haben, stellen sie keine Gefahr für gesunde, reifgeborene Kinder und ihre Eltern dar.

Selbstverständlich! Während der Desinfektion werden Indikatoren ausgelegt, die belegen, dass alle Bereiche der gewünschten Wirkstoffkonzentration ausgesetzt waren. Im Verlauf erfolgen erneut Umgebungsuntersuchungen. Sollten diese trotz Desinfektionsmaßnahmen einen Befund ergeben, wird die Desinfektion wiederholt.

Das ist bei einer normalen Schwangerschaft kein Problem. Der Kreißsaal und die Entbindungsstation sind von der Schließung der Kinderintensivstation nicht betroffen. Auch in den meisten Fällen einer so genannten Risikoschwangerschaft ist eine Entbindung in unserem Geburtszentrum möglich. Erkundigen Sie sich bitte rechtzeitig bei den Sie betreuenden Frauenärzten oder in unserer Frauenklinik.

Für alle Kinder über 35 Schwangerschaftswochen gilt kein Aufnahmestopp. Für Kinder oberhalb dieses Alters stellen Serratien in der Regel keine Gefahr dar.  

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es unter der Geburt zu Komplikationen kommt und Ihr Kind intensivmedizinisch behandelt werden muss, steht unser Team der Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin rund um die Uhr zur Verfügung und führt eine Erstbehandlung durch. Abhängig vom Gesundheitszustand des Kindes wird dann eine Verlegung in ein anderes Perinatalzentrum geprüft. Sollte das Risiko eines Transportes größer sein, als die Möglichkeit einer Infektion durch Serratien wird das Kind auf unserer Frühgeborenenstation versorgt.

Wir stehen rund um die Uhr für die Behandlung von Notfällen zur Verfügung. Nach einer Erstversorgung durch das Team unserer Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin erfolgt abhängig vom Gesundheitszustand des Kindes eine Verlegung in ein anderes Perinatalzentrum. Sollte das Risiko eines Transportes größer sein als die Möglichkeit einer Infektion durch Serratien wird das Kind auf unserer Frühgeborenenstation versorgt.

Die Intensivbehandlung von größeren Kindern findet ohne Einschränkungen statt. Das Immunsystem dieser Kinder ist stark genug. Serratien stellen für sie keine Gefahr dar.

Die hygienische Sanierung der Station ist weitgehend abgeschlossen.

Die verbliebenen mit Serratien besiedelten Kinder müssen aufgrund ihrer Frühgeburtlichkeit noch mehrere Wochen auf der Station verbleiben. Aus diesem Grund bereitet die Kinderklinik die räumliche und personelle Trennung der Frühgeborenenintensivstation vor. Damit werden die Kinder in einem räumlich und personell vollständig von den anderen Räumen der Intensivstation abgetrennten Bereich untergebracht. 

Mit diesen Maßnahmen werden wir voraussichtlich ab Anfang März wieder kleine Frühgeborene aufnehmen können. Kinder ab der 35. Schwangerschaftswoche und darüber hinaus können wir schon jetzt ohne Einschränkungen versorgen.

Grundsätzlich haben wir auf unseren Intensivstationen keine Nassbereiche in den Patientenzimmern sondern nur in umliegenden Funktionsräumen. Darüber hinaus haben wir in einem ersten Schritt alle Syphons und Perlatoren auf der Station gewechselt.   

Nein, auf Normalstation sowieso nicht. Und auf der Frühgeborenenintensivstation gilt ein besonders hoher Hygienestandard, der durch engmaschige Screeningmaßnahmen überwacht wird.